Die Skulpturenfotografie finde ich besonders reizvoll, da sich hier die fotografische Fragestellung, wie sich die dreidimensionale Realität sinnvoll in einem zweidimensionalen Foto abbilden lässt, mit der Fragestellung des Bildhauers verbindet, wie er oder sie die Skulptur im Raum komponiert. So hatte Auguste Rodin beim Modellieren wohl die einzelnen Konturprofile vor Augen, während er seine Plastiken ständig drehte, und setzte die Gestalt seiner Figuren quasi aus diesen Profilen zusammen (vgl. Bothner 1993). Beim Fotografieren gilt es nun, die aussagekräftigen „Profile“ zu finden. Dies entspricht dann einer Art Dekomposition.
Die meisten Bronzeskulpturen entstehen als Gemeinschaftswerk von Künstlern und Kunsthandwerkern, insbesondere von Bronzegießern. Auguste Rodin modellierte in weißem Ton (siehe Fotos aus dem Musée d’Orsay in Paris) und arbeitete mit ausgewählten Bronzegießereien zusammen, die anhand des Tonmodells den Guss ausführten. Durch die Nachbearbeitung von Gusskanälen und diversen Gussunvollkommenheiten – das sogenannte Ziselieren – sowie durch die thermisch-chemische Behandlung der Bronzeoberfläche – das Patinieren – hatten diese Kunsthandwerker einen nicht unerheblichen Anteil am Gesamtwerk.
Rodin bevorzugte für seine Bronzeskulpturen eine dunkelbraune Patina, die noch heute an Skulpturen bewundert werden kann, die nicht den äußeren Umwelteinflüssen ausgesetzt waren (siehe Fotos aus dem AGO in Toronto). Unter Regenbedingungen verfärbt sich die Patina der Bronze vor allem ins Grünliche („kupfergrün“). Bei wenig behandelten Skulpturen treten die Verlaufsspuren des Regenwassers infolge stärkerer Oxidation deutlich hervor (siehe Foto aus der Kunsthalle in Hamburg). Hier können Restauratoren entgegenwirken, sodass die Konturen der Skulpturen weniger beeinträchtigt werden (siehe Fotos aus dem Kunstmuseum in Basel).